Marktanalyse der Bodenrichtwerte und Grundstücksdynamik in Thüringen 2025-2026
Der Thüringer Immobilienmarkt befindet sich im Zeitraum 2025 bis 2026 in einer Phase der
Konsolidierung und der strukturellen Neuausrichtung. Nach einer Dekade kontinuierlicher
Preissteigerungen haben die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) und die anhaltend hohen Baukosten
zu einer merklichen Abkühlung der Transaktionszahlen geführt, während die Bodenrichtwerte in den Top-Lagen
eine bemerkenswerte Resilienz aufweisen.
Als Immobilien-Datenanalyst liefert dieser Bericht eine tiefgreifende Untersuchung der amtlichen
Bodenrichtwerte, der regionalen Preisunterschiede und der makroökonomischen Faktoren, die den Markt im
Freistaat Thüringen prägen.
Übersichtstabelle: Bodenrichtwerte der größten Städte in Thüringen
Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Bodenrichtwerte für baureifes Wohnbauland
in den wichtigsten Städten und Landkreisen Thüringens. Die Daten basieren auf den offiziellen
Gutachterausschüssen
und dem BORIS-TH Portal.
| Stadt
/ Landkreis |
Ø
Bodenrichtwert |
Kategorie / Trend |
Top-Lagen (bis zu) |
| Jena (Kreisfrei) |
399 €/m² |
Hochpreissektor
|
2.340 €/m² (Zentrum) |
| Erfurt (Landeshauptstadt)
|
291 €/m² |
Stabil & Resilient
|
730 €/m² (Altstadt) |
| Weimar (Kreisfrei) |
205 €/m² |
Kulturstandort
|
969 €/m² (Innenstadt) |
| Saale-Holzland-Kreis |
75 €/m² |
Jena-Speckgürtel
|
184 €/m² (Zöllnitz) |
| Ilm-Kreis |
59 €/m² |
Industrie &
Forschung |
79 €/m² (Arnstadt) |
| Weimarer Land |
56 €/m² |
Zentrales
Pendlergebiet |
Hohe Diskrepanz |
| Sömmerda |
53 €/m² |
Nördl. Erfurter
Umland |
- |
| Landkreis Gotha |
48 €/m² |
Wirtschaftlich
aktiv (A4) |
74 €/m² (Gotha) |
| Kyffhäuserkreis |
30 €/m² |
Ländlich / Sanft
steigend |
43 €/m² (Sondershausen) |
| Altenburger Land |
27 €/m² |
Traditionell /
Günstig |
- |
| Landkreis Greiz |
24 €/m² |
Peripher /
Ostthüringen |
66 €/m² (Greiz) |
| Hildburghausen |
22 €/m² |
Südthüringen /
Minimum |
- |
*Datenbasis: Offizielle Gutachterausschüsse Thüringen (Stand 2025/2026).
Werte gelten für baureifes Wohnbauland.
Preisentwicklung: Erfurt, Jena und Weimar im Vergleich
🏆
Jena: Der Hochpreissektor und seine Dynamik
Jena behauptet seine Position als teuerster Standort in Thüringen mit deutlichem Abstand. Die Stadt
ist geprägt durch ihre Funktion als internationale Forschungs- und Technologiestadt, was eine
kaufkräftige Klientel anzieht. Die topographische Lage im Saaletal begrenzt zudem das Angebot an
verfügbaren Bauflächen, was den Preisdruck in den begehrten Hang- und Tallagen verstetigt.
Der durchschnittliche Bodenrichtwert für Wohnbauflächen in Jena wird aktuell mit 399 €/m² beziffert. In der historischen Betrachtung zeigt sich
jedoch, dass der Markt nach einem Peak im Jahr 2021 (436 €/m²) eine Korrekturphase durchlaufen hat.
Bis 2024 sanken die durchschnittlichen Werte um etwa 8,7 % auf das Niveau von 398 €/m², was als
Reaktion auf die gestiegenen Finanzierungskosten gewertet werden kann. Dennoch erreichen
Spitzenlagen in der Jenaer Innenstadt und in sanierten Altstadtquartieren Werte von bis zu 2.340 €/m².
Bodenrichtwerte Jena nach Stadtteilen (2025/2026)
|
Stadtteil / Lage |
Ø
Bodenrichtwert |
Minimum |
Maximum |
| Jena-Zentrum
|
883
€/m² |
160
€/m² |
2.340
€/m² |
| Jena-West |
556
€/m² |
175
€/m² |
1.130
€/m² |
| Kernberge |
525 €/m²
|
315
€/m² |
740
€/m² |
| Wenigenjena |
447 €/m²
|
125
€/m² |
810
€/m² |
| Jena-Nord |
426 €/m²
|
185
€/m² |
730
€/m² |
| Zwätzen |
422 €/m²
|
180
€/m² |
670
€/m² |
| Lobeda-Altstadt |
377 €/m²
|
220
€/m² |
550
€/m² |
| Winzerla |
275 €/m²
|
200
€/m² |
430
€/m² |
| Cospeda |
206 €/m²
|
75
€/m² |
400
€/m² |
| Lützeroda |
79 €/m²
|
50
€/m² |
100
€/m² |
Diese Daten verdeutlichen eine extreme Spreizung innerhalb des Stadtgebiets. Während das Zentrum und
der Westen der Stadt Werte aufweisen, die teilweise über dem Niveau vieler westdeutscher Großstädte
liegen, finden sich in peripheren Ortsteilen wie Lützeroda noch Flächen im zweistelligen Bereich.
Für Investoren bedeutet dies, dass die Lage innerhalb Jenas das entscheidende Kriterium für die
Werthaltigkeit bleibt, während die allgemeine Marktentwicklung 2025/2026 Anzeichen einer
Bodenbildung zeigt.
🏛️
Erfurt: Stabilität und Resilienz der Landeshauptstadt
Erfurt zeigt als administratives Zentrum und wichtiger Logistikknotenpunkt eine hohe
Marktstabilität. Mit einem durchschnittlichen Bodenrichtwert von 291
€/m² rangiert die Landeshauptstadt stabil auf dem zweiten Platz im thüringischen
Ranking. Die Nachfrage wird hier primär durch den Zuzug aus dem Umland und die attraktive
Infrastruktur (ICE-Knoten) getragen.
In Erfurt ist die Angebotsknappheit bei bestehenden Einfamilienhäusern ein wesentlicher Faktor, der
die Nachfrage nach Bauland stützt. Der Marktbericht 2025/2026 weist darauf hin, dass in bestimmten
Stadtteilen sogar leichte Preiserholungen zu beobachten sind, da sich Käufer an das neue Zinsumfeld
gewöhnt haben.
Bodenrichtwerte Erfurt nach Stadtteilen (2025/2026)
|
Stadtteil / PLZ |
Ø
Bodenrichtwert |
Preisspanne |
Trend 2024-2026 |
| Innenstadt /
Altstadt |
291 €/m² |
bis
730 €/m² |
Stabil |
| Johannesplatz |
256 €/m²
|
160 -
260 €/m² |
Leicht
steigend |
| Ilversgehofen |
203 €/m²
|
55 -
310 €/m² |
Stabil |
| Kerspleben |
170 €/m²
|
30 -
305 €/m² |
Volatil |
| Schwerborn |
151 €/m²
|
135 -
155 €/m² |
Stabil |
| Hohenwinden |
134 €/m²
|
55 -
200 €/m² |
Rückläufig
(-4,3%) |
Ein interessantes Detail der Erfurter Marktentwicklung ist der Rückgang in Stadtteilen wie
Hohenwinden, wo der durchschnittliche Wert von 146 €/m² im Jahr 2021 auf 134 €/m² im Jahr 2024 fiel.
Dies reflektiert die allgemeine Trendwende am Immobilienmarkt nach Jahren des kontinuierlichen
Anstiegs. Dennoch bleiben die Preise in den zentralen Lagen aufgrund der hohen Lebensqualität und
der begrenzten Verfügbarkeit von Bauflächen auf einem hohen Niveau stabil.
🎭
Weimar: Kulturstandort mit differenziertem Preisgefüge
Weimar nimmt mit einem durchschnittlichen Bodenrichtwert von 205
€/m² die dritte Position unter den kreisfreien Städten ein. Die Stadt profitiert von
ihrem Ruf als UNESCO-Welterbe und ihrer Attraktivität für Akademiker und Familien. Der Markt in
Weimar gilt als weniger volatil als in Jena, zeigt aber dennoch eine deutliche Differenzierung
zwischen den Kernlagen und den Randgebieten.
Die Bodenrichtwert-Entwicklung in Weimar erreichte ihren Höhepunkt ebenfalls im Jahr 2021 mit 224
€/m² und korrigierte bis 2024 auf 205 €/m², was einem Rückgang von etwa 8,5 % entspricht. Dennoch
bleibt das Preisniveau in den sanierten Altbaugebieten und in bevorzugten Lagen wie "Am Horn" oder
Oberweimar hoch.
Bodenrichtwerte Weimar nach Stadtteilen (2025/2026)
|
Stadtteil |
Ø
Bodenrichtwert |
Höchstwert |
Niedrigwert |
| Innenstadt |
289 €/m² |
969
€/m² |
100
€/m² |
| Oberweimar-Ehringsdorf |
203 €/m²
|
360
€/m² |
40
€/m² |
| Tiefurt |
162 €/m²
|
260
€/m² |
40
€/m² |
| Niedergrunstedt |
156 €/m²
|
185
€/m² |
65
€/m² |
| West |
152 €/m²
|
310
€/m² |
45
€/m² |
| Nord |
148 €/m²
|
253
€/m² |
65
€/m² |
| Legefeld-Holzdorf |
128 €/m²
|
190
€/m² |
25
€/m² |
| Possendorf |
82 €/m²
|
140
€/m² |
50
€/m² |
In Weimar zeigt sich eine klare Korrelation zwischen der Nähe zum kulturellen Zentrum und dem
Bodenwert. Während die Innenstadt mit einem Durchschnitt von 289 €/m² die Liste anführt, fallen die
Werte in ländlicher geprägten Ortsteilen wie Possendorf oder der Ettersbergsiedlung auf Werte unter
100 €/m². Für das Jahr 2026 wird erwartet, dass die Nachfrage nach gut erschlossenen Wohnbauflächen
in Weimar stabil bleibt, da die Stadt als attraktive Alternative zu den noch teureren Standorten
Jena und Erfurt wahrgenommen wird.
Historische
Preisentwicklung 2021-2026
Durchschnittliche Grundstückspreise nach Landkreisen
Jenseits der großen Ballungszentren bietet der thüringische Grundstücksmarkt eine enorme Vielfalt an
Preisniveaus. Das Spektrum reicht von suburbanen Regionen mit hohem Nachfragedruck bis hin zu peripheren,
ländlichen Gebieten, in denen Bauvorhaben zu Bruchteilen der städtischen Kosten realisierbar sind.
📈
Wo ist Bauland in Thüringen am teuersten?
Die höchsten Bodenrichtwerte außerhalb der kreisfreien Städte konzentrieren sich auf die Regionen,
die unmittelbar an die Wachstumszentren angrenzen oder eine starke industrielle Basis aufweisen.
-
🥇
Saale-Holzland-Kreis:
75 €/m²
Als direkter Nachbar von Jena profitiert dieser Landkreis massiv vom
Überstrahlungseffekt der Universitätsstadt. In Gemeinden wie Zöllnitz (Ø 184 €/m²) oder
Großlöbichau (Ø 154 €/m²) liegen die Preise deutlich über dem Kreisdurchschnitt, da sie
als attraktive Wohnstandorte für Jenaer Pendler fungieren.
-
🥈
Ilm-Kreis:
59 €/m²
Die Region um Arnstadt und Ilmenau profitiert von einer starken gewerblichen Entwicklung
und der Universität. Arnstadt weist als zweitgrößte kreisangehörige Stadt
Bodenrichtwerte von durchschnittlich 79 €/m² auf, was die hohe wirtschaftliche Dynamik
der Region unterstreicht.
-
🥉
Weimarer Land:
56 €/m²
Dieser Landkreis umschließt die Stadt Weimar und liegt zentral zwischen Erfurt und Jena.
Die gute verkehrliche Anbindung macht die Region zu einem bevorzugten Standort für
Eigenheimbebauung. Innerhalb des Kreises gibt es jedoch große Unterschiede; so liegen
die Wohnungspreise in Blankenhain (2.939 €/m²) weit über dem Thüringer Schnitt, was auf
exklusive Wohnlagen hindeutet.
💰
Günstige Regionen für Bauherren und Investoren
In den Regionen, die fernab der großen Verkehrsachsen und urbanen Zentren liegen, zeigen sich die
niedrigsten Bodenrichtwerte Thüringens. Diese Gebiete bieten oft eine hohe Lebensqualität bei
minimalen Grundstückskosten.
-
✅
Hildburghausen:
22 €/m²
Dieser Landkreis stellt aktuell das preisliche Minimum im Freistaat dar. Die Entkopplung
von den großen Wirtschaftszentren führt dazu, dass die Grundstückspreise hier auf einem
sehr niedrigen Niveau verharren.
-
✅
Landkreis Greiz:
24 €/m²
Trotz der Nähe zur zweitgrößten kreisfreien Stadt Gera (Ø 64 €/m²) bleiben die Werte im
Landkreis Greiz im Durchschnitt sehr niedrig. Selbst in Kleinstädten wie Greiz liegt der
Spitzenwert für Wohnbauflächen lediglich bei 66 €/m².
-
✅
Altenburger Land:
27 €/m²
Auch im Osten Thüringens finden sich sehr preiswerte Bauflächen. In der Stadt Altenburg
selbst liegen die Durchschnittspreise für Bestandsimmobilien zwar höher, aber das reine
Bauland bleibt für Investoren und Bauherren vergleichsweise günstig.
Was sagt der Bodenrichtwert in Thüringen genau aus?
Im Kontext des thüringischen Immobilienmarktes ist eine präzise Begriffsbestimmung unerlässlich, um die
Datenlage korrekt zu interpretieren. Die amtliche Wertermittlung folgt hierbei strikten gesetzlichen
Vorgaben, die eine Vergleichbarkeit über alle Gemeinden hinweg sicherstellen.
Definition des Bodenrichtwerts
Der Bodenrichtwert in Thüringen stellt einen durchschnittlichen Lagewert für unbebauten
Boden dar, der alle zwei Jahre von unabhängigen Gutachterausschüssen auf Basis
tatsächlicher Immobilienverkäufe (Kaufpreissammlung) ermittelt und in wertspezifischen Zonen
veröffentlicht wird. Er dient als Orientierungsgröße für Marktteilnehmer, wobei individuelle
Grundstücksmerkmale wie Erschließungsgrad oder Bauvorschriften durch Zu- oder Abschläge vom
Zonen-Durchschnittswert berücksichtigt werden müssen.
Rechtliche Grundlage
Die gesetzliche Grundlage bildet § 196 des Baugesetzbuchs (BauGB) in Verbindung mit der
Thüringer Gutachterausschussverordnung (ThürGAVO). In Thüringen sind die
Gutachterausschüsse als selbstständige, an Weisungen nicht gebundene Kollegialgremien organisiert, die
den Auftrag haben, für Transparenz auf dem Grundstücksmarkt zu sorgen.
Die Geschäftsstellen dieser Ausschüsse führen die Kaufpreissammlung, in der jeder
notariell beurkundete Kaufvertrag erfasst wird. Aus dieser Datenbasis werden nicht nur die
Bodenrichtwerte zum Stichtag (aktuell 01.01.2024, nächster Stichtag 01.01.2026) abgeleitet, sondern auch
sonstige wertermittlungsrelevante Daten wie Liegenschaftszinssätze, Sachwertfaktoren und Indexreihen.
⚖️
Rechtliche Grundlage
§ 196 BauGB und Thüringer Gutachterausschussverordnung (ThürGAVO)
📊
Datenbasis
Kaufpreissammlung aller notariell beurkundeten Grundstücksverkäufe
🔄
Aktualisierung
Alle 2 Jahre zum Stichtag (nächster: 01.01.2026)
⚠️
Wichtiger Hinweis für Marktteilnehmer
Es ist zu beachten, dass der Bodenrichtwert nicht mit dem Verkehrswert eines einzelnen
Grundstücks gleichzusetzen ist. Er repräsentiert den Wert eines fiktiven,
durchschnittlichen Grundstücks in einer Zone. Abweichungen in der tatsächlichen Nutzung, der Form oder
dem Erschließungszustand können zu signifikanten Wertunterschieden führen.
Für steuerliche Zwecke, insbesondere im Rahmen der Grundsteuerreform, ist jedoch der
amtlich festgestellte Wert zum Stichtag (01.01.2022) verbindlich zu übernehmen.
Das Bodenrichtwert-Informationssystem Thüringen (BORIS-TH)
Zur Ermittlung präziser Daten steht das Portal BORIS-TH als offizielle Quelle zur Verfügung. Es ist Teil der
Geodateninfrastruktur Thüringen (GDI-Th) und ermöglicht jedermann den kostenfreien Zugriff auf alle amtlich
festgestellten Bodenrichtwerte.
Funktionsweise und
Datenbereitstellung
Das System erlaubt die Recherche über Adressen oder Flurstücksangaben. Die Daten
werden grafisch auf einer Basiskarte dargestellt, die regelmäßig zum Stichtag aus dem Amtlichen
Liegenschaftskataster-Informationssystem (ALKIS) abgeleitet wird.
Ein wesentlicher Vorteil für Nutzer ist die Möglichkeit, eine Bodenrichtwertinformation als
PDF-Druckausgabe zu erzeugen, die neben dem Wert auch alle relevanten
Grundstücksmerkmale des Richtwertgrundstücks enthält.
Service-Merkmale BORIS-TH im Überblick
|
Service-Merkmal |
Details
|
| Zugriff / URL |
boris.thueringen.de |
| Kosten |
Kostenfrei
für alle Nutzer |
| Aktualisierung |
Zweijährlich (Turnus) - Nächste
Veröffentlichung: 2026 |
| Inhalt |
€/m², Nutzungsart, GFZ/GRZ
(Systemimmanent) |
| Grundsteuer |
Spezieller Grundsteuer Viewer
(grundsteuer-viewer.thueringen.de) |
| Herausgeber |
Thüringer Landesamt für Bodenmanagement
(tlbg.thueringen.de) |
Markttrends und ökonomische Rahmenbedingungen 2024-2026
Die Entwicklung der Grundstückspreise in Thüringen zwischen 2024 und 2026 ist von einer signifikanten
Trendwende geprägt. Nach einer Phase der Unsicherheit und fallender Preise bis Ende 2023 deutet die aktuelle
Datenlage auf eine Stabilisierung und einen moderaten Aufschwung hin.
💶
Die Rolle der EZB und die Zinsentwicklung
Ein entscheidender Faktor für die Wiederbelebung der Nachfrage war die Zinspolitik der Europäischen
Zentralbank. Nachdem die Leitzinsen zur Inflationsbekämpfung massiv angehoben worden waren, erfolgte
im Juni 2025 eine Senkung auf 2,15 %.
Diese Maßnahme hat die Bauzinsen stabilisiert, die sich Ende 2025 in einem
moderaten Korridor von 3,6 % bis 4,0 % bewegen. Für private Haushalte bedeutet dies
eine verbesserte Planbarkeit bei der Finanzierung von Bauvorhaben, was die Nachfrage nach Bauland in
Thüringen seit Anfang 2025 wieder moderat steigen lässt.
🏗️
Inflation, Baukosten und Neubaumangel
Trotz der Zinsstabilisierung wirken die hohen Baukosten und die Inflation weiterhin als
Belastungsfaktoren. Der Neubau von Wohnimmobilien rechnet sich in vielen Regionen Thüringens oft nur
noch im Hochpreissegment oder durch hohe Eigenleistungen, da die Materialpreise und energetischen
Anforderungen (GEG) die Gesamtkosten treiben.
In der Folge ist ein deutlicher Neubaumangel entstanden; im Jahr 2025 wurden
bundesweit nur ca. 235.000 Wohnungen fertiggestellt, was weit unter dem Bedarf
liegt. Dieser Mangel erhöht den Druck auf den Mietmarkt und macht bestehende Baugrundstücke in
urbanen Lagen zu einem noch wertvolleren Gut.
Wir beobachten daher, dass die Bodenrichtwerte in den Zentren stagnieren oder leicht steigen,
während sie in Regionen mit Modernisierungsstau bei den Bestandsgebäuden eher unter Druck stehen.
📊
Fazit der Markttrends 2026
Auf Basis der vorliegenden Analysen lassen sich für den Zeitraum 2024 bis 2026 drei wesentliche
Schlussfolgerungen ziehen:
📈
Durchschreiten der
Talsohle
Der Markt hat die Talsohle der Preisrückgänge Anfang 2024 hinter sich gelassen. Für 2025
wurde bereits ein durchschnittlicher Preisanstieg von 2,3 % verzeichnet,
ein Trend, der sich 2026 verstetigen dürfte. Die Rückkehr der Käufer wird durch stabilere
Rahmenbedingungen und ein realistisches Preisgefüge begünstigt.
⚡
Qualität vor Quantität
Die energetische Effizienz ist zum entscheidenden Preistreiber geworden. Grundstücke, die
eine nachhaltige Bebauung ermöglichen oder in energieeffizienten Quartieren liegen, erzielen
Spitzenpreise. Immobilien der Energieklassen A bis B sind hochgefragt, während für
sanierungsbedürftige Objekte in weniger attraktiven Lagen deutliche Abschläge hingenommen
werden müssen.
📉
Wachsende regionale
Diskrepanz
Es besteht ein massives Preisgefälle innerhalb Thüringens. Während Standorte wie Jena und
Erfurt Werte aufweisen, die sich dem Bundesdurchschnitt nähern, liegen ländliche Regionen
wie der Kyffhäuserkreis preislich um den Faktor 11 unter den Spitzenwerten.
Diese "Scherenentwicklung" wird sich 2026 weiter fortsetzen, da die Urbanisierung und die
Konzentration auf wirtschaftsstarke Zentren anhalten.
✓
Zusammenfassende Markteinschätzung
Der Thüringer Immobilienmarkt 2025/2026 erweist sich als bemerkenswert krisenfest.
Trotz der makroökonomischen Herausforderungen der letzten Jahre bleibt die Nachfrage nach Wohnraum
in den wirtschaftlichen Zentren hoch. Die Stabilisierung der Zinsen im Jahr 2025 hat den notwendigen
Impuls gegeben, um den Markt aus der Stagnation zu führen.
Für Investoren und private Bauherren bietet Thüringen ein hochinteressantes Umfeld.
Während die Spitzenstandorte Jena und Erfurt Sicherheit und Werthaltigkeit versprechen, bieten die
ländlichen Regionen und die "zweite Reihe" der Landkreise (wie der Ilm-Kreis oder das Weimarer Land)
attraktive Einstiegspreise bei gleichzeitig guter infrastruktureller Anbindung.
Die Digitalisierung der Grundstückswerte über BORIS-TH und die transparente Berichterstattung der
Gutachterausschüsse gewährleisten dabei ein hohes Maß an Markttransparenz. Für das Jahr 2026 ist
davon auszugehen, dass die neuen Bodenrichtwerte die Stabilisierung des Marktes widerspiegeln und in
den Top-Lagen wieder leichte Zuwächse verzeichnen werden. Als Immobilien-Datenanalyst empfehle ich
Marktteilnehmern, insbesondere die energetischen Merkmale und die lokale
Wirtschaftsentwicklung in ihre Kalkulationen einzubeziehen, da diese Faktoren zunehmend
die Spreu vom Weizen im thüringischen Immobilienmarkt trennen werden.